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Akupunktur

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Akupunktur stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Der chinesische Historiker Sima Qian erwähnt in seinen Aufzeichnungen erstmals Steinnadeln. Die älteste Sammlung chinesischer medizinischer Schriften Innere Klassiker des Gelben Kaisers aus der Zeit zwischen 200 Jahre vor und nach Christus integriert die Akupunktur in die damalige Medizin und beschreibt verschiedene Nadeln aus Metall, Stichtechniken und Indikationen für die Anwendung bestimmter Punkte. In diesem Werk wurden 160 klassische Punkte beschrieben.

Schon im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert erwähnten portugiesische Jesuiten in Briefen aus Japan die Nadeltherapie. Einige Zeilen mehr schrieb der für die niederländische Ostindien-Kompanie tätige dänische Arzt De Bondt (Bontius). In der 1658 gedruckten Historiae naturalis et medicae Indiae orientalis libri sex berichtet er, dass man in Japan „bei chronischen Kopfschmerzen, bei Obstruktionen der Leber und Milz, auch bei der Pleuritis mit einem silbernen oder aus Stahl gemachten Stylus, nicht viel dicker als die Saiten einer Zither, durch langsames oder sachtes Einführen die oben erwähnten Innereien” durchbohre, so dass er auf der anderen Seite wieder heraustrete, was er selbst in Java gesehen habe. 1683 verfasste Willem Ten Rhyne (ebenfalls ein Arzt der Ostindien-Kompanie) eine ausführliche Abhandlung (Dissertatio de Arthritide: Mantissa Schematica: De Acupunctura: Et Orationes Tres), in der er die klinischen Wirkungen der Nadelstichtherapie beschrieb und dafür den Begriff Akupunktur (lat. acus = Nadel; punctura = Stich) prägte.

In der westlichen Welt wurde die Akupunktur ab 1929 insbesondere durch den französischen Diplomaten George Soulié de Morant bekannt gemacht , der die Akupunktur in seinen Schriften zu Beginn der 1930er Jahre als vermeintlich wichtigsten Zweig der chinesischen Medizin beschrieb.

In der Akupunktur werden rund 600 Akupunkturpunkte maßgeblich benutzt, die auf den so genannten Meridianen angeordnet sind. Zur Vereinfachung wurde das heute gängige Modell von zwölf Hauptmeridianen, die jeweils spiegelbildlich auf beiden Körperseiten paarig angelegt sind, eingeführt. Acht Extrameridiane und eine Reihe von sogenannten Extrapunkten ergänzen dieses Modell. Laut dem Glauben vieler Vertreter der traditionellen chinesischen Medizin wird durch das Einstechen der Nadeln der Fluss des Qi (Lebensenergie) beeinflusst.

Die Akupunktur gehört zu den Umsteuerungs- und Regulationstherapien. Noch älter als die Akupunktur ist die Akupressur, bei der die Punkte mit Hilfe der Fingerkuppen oder auch mit Hilfe von Werkzeugen massiert werden, weshalb die Akupressur auch als eine nicht-invasive Form der Akupunktur betrachtet werden kann.

Das Konzept der Ohrakupunktur wurde vom französischen Arzt Paul Nogier entwickelt. 1954 berichtete er erstmals in der Deutschen Zeitschrift für Akupunktur über seine Erfahrungen und 1961 stellte er seine Diagnose- und Therapieform auf einem Akupunkturkongress in Deutschland vor. Die Behandlung über das Ohr ist zwar auch aus der chinesischen Akupunktur bekannt, es werden dort jedoch nur wenige Punkte und diese auch nur selten verwendet. Daneben besteht noch das Konzept der koreanischen Handakupunktur, bei der die Nadeln in die Hände gestochen werden. Weiterhin existieren die Schädel- und die Fußakupunktur.

Eine weitere neuzeitliche Entwicklung ist die Elektro-Akupunktur:

Die Elektroakupunktur ist ein Verfahren, das zur Diagnose und Therapie die Grundlagen der chinesischen Akupunktur mit der modernen Elektronik verbindet. Durch die elektronische Messung erhalten wir einen Einblick in das physiologische Geschehen, Entzündungen oder chronische Erkrankungen können diagnostiziert und Heilprozesse überwacht werden. Die Akupunktur beginnt mit einer Überprüfung der Energiefelder der Meridiane. Der kausale Mittelwert ist 80 mV und ca. 4 Mikroampere Stromstärke.

Die wissenschaftlich anerkannte Spannung der Zelle liegt im Normwert zwischen 70 und 90 mV. Abweichungen von diesen Werten können Hinweise auf Störungen sein.

Jedes Organ hat ein Energiefeld, das sich im Gewebe um das Organ widerspiegelt. Abweichungen sind meist mit pathologischen Störfeldern verbunden oder mit Störungen in den Regelkreisen.

Eine amerikanische Studie an Mäusen zeigt: Bluckdruck lässt sich mit elektrischen Reizen wirkungsvoll senken.

Amerikanische Forscher haben Bluthochdruck erfolgreich mit Akupunktur behandelt. Entscheidend war dabei ein schwacher elektrischer Strom, der durch die Nadeln geleitet wurde. John Longhurst von der Universität von Kalifornien in Irvine und seine Kollegen konnten mithilfe dieser so genannten Elektroakupunktur den Bluthochdruck von Ratten um bis zu fünfzig Prozent senken. Die Behandlung selbst dauerte nur dreißig Minuten, der Effekt hielt jedoch für fast zwei Stunden an, berichtet die Universität in einer Pressemitteilung. Akupunktur könnte damit gerade in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen andere medizinische Maßnahmen ausgezeichnet ergänzen.

Longhurst und sein Team testeten in ihrer Studie verschiedene Akupunkturmethoden mit und ohne zusätzlichen Stromreiz. Dafür wurden Ratten mit künstlich erhöhtem Blutdruck an bestimmten Punkten ihrer Gliedmaßen mit Akupunkturnadeln gestochen. Beim Menschen befänden sich die entsprechenden Stellen an der Innenseite des Unterarms, knapp über dem Handgelenk, erklären die Forscher. Während Nadeln ohne Strom ebenso wie in Verbindung mit stärkerem Stromfluss keinerlei Effekt hatten, konnte ein schwacher elektrischer Reiz - durch die Nadeln geleitet - den Bluthochdruck um vierzig bis fünfzig Prozent senken.

Allerdings wirkt diese Behandlung nur bei erhöhtem Blutdruck, betont Longhurst. Bei Ratten mit normalem Blutdruck hat sie dagegen keinen Einfluss. Die Forscher wollen nun eine standardisierte Akupunkturmethode entwickeln, mit der beispielsweise Krankheiten wie die myokardiale Ischämie behandelt werden können. Bei dieser Erkrankung wird das Herz nicht ausreichend mit Blut versorgt. Eine erste Studie der Elektroakupunktur an Menschen ist bereits angelaufen, berichten die Wissenschaftler.

In früheren Untersuchungen konnten Longhurst und seine Kollegen bereits zeigen, wie Akupunktur auf bestimmte Gehirnzellen wirkt. Dafür stachen sie die Akupunkturnadeln in ausgewählte Stellen am Handgelenk, Unterarm oder Bein und lösten damit die Freisetzung opioider Substanzen, so genannter Neurotransmitter, im Gehirn aus. Die beruhigende Wirkung dieser opiumähnlichen Stoffe auf das Herz-Kreislauf-System reduziert die Herzfrequenz und damit den Sauerstoffbedarf des Herzens. Dies wiederum führt dazu, dass der Blutdruck sinkt - eine wichtige Voraussetzung zur Behandlung vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Akupunktur wird grundsätzlich in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt, sie ist besonders wirkungsvoll bei den Indikationen

  • Neurodermitis
  • Zur Stärkung der Immunabwehr
  • Allergien, Heuschnupfen
  • Akne vulgaris, Hauterkrankungen
  • Asthma bronchiale und Bronchitis
  • Migräne, Leistungsabfall
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
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